
Heute war wieder großer Reisetag. Es waren über 300 km zu bewältigen und das mit einem angeschlagenen Radlager. An unserem kleinen preiswerten Quartier haben wir uns noch einen lauwarmen Kaffee genehmigt.
Wir haben uns entschlossen, lieber nicht auf der Autobahn zu fahren, um das Vorderrad zu schonen. Es scheint gut geklappt zu haben, denn die Geräusche sind nicht stärker geworden. Die Nationalstraßen, die nicht weit von der Autobahn entfernt verlaufen sind sehr gut ausgebaut und dort fährt man eben nur 80-90 km/h. Nur die unzähligen Kreisverkehre nerven etwas. Andererseits floss der Verkehr ohne Probleme. Sowie eine Ampel auftauchte, gab es einen kleinen Stau.
Unterwegs haben wir mal unseren Kocher herausgeholt und Suppen vom Thai-Chef zubereitet. Dann noch einen kochend heißen Kaffee.
Unsere Uschi hat uns in der großen Stadt ausgezeichnet den Weg gewiesen, so dass wir gegen 16 Uhr hier waren. Es ist ein nettes Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Das Fitnessstudio und das Schwimmbecken haben wir uns verkniffen. Letzteres hatte nicht unsere Temperatur und der Chlorgeruch schreckt ab, wenn man sonst im klaren Meerwasser gebadet hat.
Also sind wir in die Stadt gegangen. Klar, der heilige Martin war unser erstes Ziel. Seine Gebeine (oder was noch davon übrig ist) liegen ja in der Krypta der Kirche. Es war gar nicht die erste Kirche. Ursprünglich gab es eine noch viel größere Kirche, die aber wahrscheinlich wegen ihrer schieren Größe keinen Betand hatte. Nur Teile der Türme stehen noch. Die neuere Kirche ist recht schlicht gehalten, wie es auch besser zu Martin passt.
Es ist ein schönes Gefühl mal an diesem Ort gewesen zu sein. Wird man älter, wird man doch offensichtlich auch etwas sentimentaler. 😉
Zunächst waren noch nicht so viele Leute in der Stadt, aber sie füllte sich. Unzählige junge und ältere Leute, viele Studenten, füllten die Restaurants. Alles spielte sich auf der Straße ab. So etwas kennen wir ja hier gar nicht mehr. Aber man fragt sich auch, wie man sich das leisten kann, regelmäßig, sogar am Montagabend, zu sumpfen. Ich glaube, wenn ich hier wohnte, würde ich schnell versumpfen 😊.
Meist wurde getrunken, aber auch die Speisegaststätten nahmen kein Ende, wenn man durch die Innenstadt geht.
Wir haben uns regional ernährt: köstliche Zwiebelsuppe als Entré und dann Coq au vin. Dagmar hat sich Boeuf Bourguignon genehmigt. Also beides klassische Schmorgerichte. Ich wollte mein Essen fast zurückgeben und mich beschweren, denn ich habe angenommen, dass Coq au Vin weißes Hühnerfleisch ist. Zum Glück bin ich nicht so schnell. Der Hahn war offensichtlich im Rotwein mariniert und gekocht und sah äußerlich aus wie Dagmars Rinderbraten. Die Fleischstücke mit dem Knochen waren so geschnitten, dass man kein Geflügel erwartete. Es war überaus köstlich.
Am Nachbartisch saßen Franzosen. Sie haben sich auch regionale Speisen bestellt. Sie hatte einen 20 cm langen, in der Mitte längs aufgesägten Markknochen auf dem Teller und aß – mit viel Salz bestreut – das weiche glibbrige Mark zusammen mit Baguette. Sie sagte, es schmeckt vorzüglich als Vorspeise. Ich nehme an, der Knochen war im Backofen gegart. So viel zur hochgepriesenen französischen Küche, die fast nur gesunde Gemüsesorten zu kennen scheint 😊.
Zum Schluss haben wir noch den Dom besucht. Um diese Zeit war er natürlich nicht mehr geöffnet.
Morgen werden wir mindestens zwei Schlösser an der Loire besuchen. Schade, dass man als Autofahrer keine Weinprobe mitmachen kann. Aber vielleicht ist es ja auch besser so!